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Gemüt am Mittwoch: Bubis Butterkuchen

Ich (vierte von links) hatte mit der mir eigenen Zielstrebigkeit wieder einmal einen Sensationstreffer in Sachen Nebenjob gelandet. Nachdem ich ein Motivationsschreiben verfasst hatte, das einer Doktorarbeit (wenn nicht gar schon einem Gottesbeweis) weder in Umfang noch in der Stringenz der Argumentationsführung nachstand, nachdem ich liebe- wie gedankenvoll einen Lebenslauf entworfen hatte, dessen Werdegangstationen eindeutig und ebenso unausweichlich wie die Katastrophe in der griechischen Tragödie die gottgewollte Bestimmung für eben jenen einen, auserkorenen NEBENJOB bis in die frühen Kindheitstage hinein nachvollziehbar machten, nachdem ich Beweise und Belege für a) Schulabschlüsse, b) Studienabschlüsse, c) Auslandsaufenthalte, d) Lobeshymnen früherer Arbeitgeber, e) Zusatzqualifikationen (Erste Hilfe, Führerschein, Computerkenntnisse, fucking SOCIAL MEDIA etc., und ich verzichtete auch nicht auf den Tauchschein, und auch nicht auf den Trauschein und auch nicht auf die Scheidungsurkunde, klarer konnte ich mein Konfliktmanagement kaum in Worte fassen) und f) Sprachzeugnisse kopiert, beglaubigt und per Kurier landverschickt hatte, wurde ich tatsächlich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, das ich aufgrund meiner Verzweiflung (ich war nicht mehr jung aber brauchte das Geld) glorreich bestritt: der Rock kurz, die Wimpern …

Gemüt am Mittwoch: Gespräche mit Pudel (Tonbandaufzeichnung)

5.Tag mit Pudel. Gespräche erweisen sich als schwierig, langwierig, nahezu unmöglich. Pudel unterbricht häufig, raucht stundenlang, teilweise ohne ein Wort zu sagen. Es geht ihm schlechter, selten erinnert er sich, wer ich bin und was ich hier mache. Roswitha, die Hausangestellte, verdreht nur die Augen. Mir aber setzt er zu. Gestern nacht wieder kein Auge zugetan, diese durchgelegene Matratze, das Knacken der Borkenkäfer und ständig und über allem sein röchelndes Husten mit anschließendem Ausspucken. Jedesmal bleibt mir das Herz stehen, bis er nur endlich ausspuckt, das Husten ein Ende hat und das Schnarchen den Anfang. Tagsüber wünsche ich oft, dass er stirbt, schon, wenn er am Frühstückstisch sitzt, wünsche ich das, ich kann so früh aufstehen, wie ich will, er ist jedes Mal schon vor mir wach und kratzt bereits mit dem Buttermesser über den Toast, dazu nickt und wackelt sein Kopf und mein Blick fällt wehrlos auf einen blassen, kantigen Fuß, der in einem abgetretenen Pantoffel steckt, und auf einen lilascheinenden Knöchel, der sich wie Beulenpest von der milchweißen Haut abhebt. Es ist Wut, …