Zustände
Kommentar 1

Bitte nicht drängeln

Fingerspitzen zittern vor Verliebtheit. Oder vor Aufregung. Wegen eines hohen Blutdrucks. Aus Altersschwäche. Vor Kälte, vielleicht vor Kälte?

Ich bin nicht sicher, aus welchem dieser Gründe meine Fingerspitzen zittern. Wenn ich genauer darüber nachdenke (über die Gründe), ist es mit „Zittern“ vielleicht falsch benannt. Vielleicht ist es eher ein Klopfen. (Der Unterschied zwischen einem Zittern und einem Klopfen ist, wie man weiß, der, dass einem das Zittern passiert, das Klopfen hingegen nicht. Zittern ist Handrücken-an-Stirn-Schlenker, Klopfen brachiale Willkür.)

Meine Fingerspitzen finden eine Tischplatte. Ein Buch. Einen Oberschenkel (meistens den meinen). Und dann klopfen sie darauf. Nicht den Takt, den prima Beat, bevor er mir in die Beine fährt und ich aufspringe und einen Steptanz im januarlichen Grauregen hinlege.

Nein.

Sie klopfen die Ungeduld. „Komm zum Punkt“, klopfen sie, „komm endlich zum Punkt.“

„Lass sie klopfen“, dachte ich, „deine Fingerspitzen suchen nach einer Ausdrucksform, das solltest du unterstützen, nicht abwürgen – und außerdem warst du doch noch nie besonders geduldig, warum also gleich ein Drama draus machen.“

Aber in letzter Zeit klopfen meine Fingerspitzen auch und mit Vorliebe, wenn ich spreche. „Komm zum Punkt“, klopfen sie, „komm. end. lich. zum. Punkt.“

Und das ist sehr irritierend.

Um nicht zu sagen: äußerst unhöflich.

Ich befinde mich auf Schussfahrt im Innersten eines rosa Wackelpuddings. Nach außen hin: Windstille. Meine Körperfläche: ein tiefer See. Aber in mir drin brettere ich mit Affenzahn die Steilpiste hinab, dass mir der Gegenwind nur so in den Ohren pfeift. Und ich komme nicht voran. Keinen Zentimeter. Wackelpudding rundherum.

Ich stehe irgendwo – der Ort ist bewiesen austauschbar, inmitten von Gewimmel, inmitten weiter Felder – über mir ein Waschküchenhimmel, in mir drin Geschrei: „Los! Los! Los! Warum geht das hier nicht weiter!?“
Zum Glück hab ich keine Körperhupe. Oder eine Kupplung unter den Füßen.

Ein merkwürdiges Gefühl ist das und ich weiß nicht, woher es kommt. Gut, die Felder sind hässlich, matschig, freudlos, einige von ihnen plastiklich für den Spargel abgedeckt, ein äußerst deprimierender Anblick, aber Spargelfelder sind immer ein deprimierender Anblick, zu jeder Jahreszeit, schon immer gewesen.

Was also ist es? Ist es nur der Januar? Geht es wieder weg? Muss ich da durch? Durch das Spargelfeld? In … in meinen Wildlederstiefeln??

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